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Schneller als die Richtlinie vorsieht – Lilly setzt auf Laetus
Ab dem 1. Januar 2011 werden alle 9 Verpackungslinien am Produktionsstandort Fegersheim in Frankreich der neuen Richtlinie über die Nutzung der CIP 13- und DataMatrix-Codierung entsprechen. Auf der ersten umgerüsteten Linie wurden bereits mehrere Chargen produziert.
Für den Pharmakonzern Lilly war es eine Weltpremiere: Mitte Oktober wurden im elsässischen Werk in Fegersheim die ersten Chargen eines Wachstumshormons produziert, dessen Verpackung einen aufgedruckten DataMatrix-Code aufweist. Diese Chargen sind für den französischen Markt gedacht, der ab dem 1. Januar 2011 diese neue Form der Codierung vorschreibt (siehe Kasten). Der Lilly-Konzern hat damit gut ein Jahr Vorsprung bei den durch die Richtlinie vorgegebenen Änderungen. Er muss jedoch noch weitere acht Verpackungslinien umrüsten, vor allem in der Produktion der berühmten Insulinpräparate, die das Aushängeschild des Konzerns sind. Im französischen Fegersheim hat man sich beim Vorstoß in die neue Technik bewusst aufgrund der niedrigeren Fertigungsleistung für die Produktionslinie dieses Hormons entschieden, bevor dann auch der Insulinbereich angegangen wird. Die Verwendung des DataMatrix-Codes ist eine Folge der Ersetzung des 7-stelligen CIP-Codes durch einen 13-stelligen CIP-Code, da der klassische Strichcode keine 13-stellige Angabe wiedergeben kann, ohne übermäßig viel Platz zu benötigen. Darüber hinaus können mit DataMatrix sehr viele Daten auf einmal dargestellt werden, angefangen von der Chargennummer über das Haltbarkeitsdatum bis eines Tages hin zur Seriennummer (im Rahmen der viel zitierten Serialisierung). All diese Daten werden mittels einer Lesepistole jederzeit abrufbar sein, und zwar sowohl von den Arbeitern an den Produktionslinien, als auch von den beteiligten Logistikern und den Apothekern, die am Ende der Kette stehen. Letztere profitieren davon, dass Lilly Pharma schon vor Inkrafttreten der neuen Richtlinie umrüstet, da es ihnen die Möglichkeit gibt, sich rechtzeitig mit dem neuen Code vertraut zu machen und die entsprechenden Lesegeräte zu beschaffen, wobei die Verpackung weiterhin (auch in der Zukunft) deutlich alle drei Angaben ausweisen wird, falls der DataMatrix-Code nicht lesbar sein sollte.
Von den neun Verpackungslinien für Zweitverpackungen im elsässischen Werk ist die Verpackungslinie des Wachstumshormons also die erste, die umgerüstet wurde. „Die Investition haben wir im Mai 2008 getätigt“, erinnert sich Magali Joint. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir geplant, ein Laserdrucksystem für den DataMatrix-Code sowie das entsprechende Verifikationssystem zu installieren. Wir haben die Gelegenheit genutzt, in einem die obsolet gewordene Kontrollwaage und den Etikettierer auszutauschen.“ Dazu muss gesagt werden, dass Lilly Pharma weltweit die Lösung des Laserdrucks, bei dem die Farbe auf den Untergrund eingebrannt wird, dem Tintenstrahldruck vorzieht. „Diese Technik verlängert die Haltbarkeit des Aufdrucks und ist fälschungssicherer. Die Anschaffungskosten für die Technik sind zwar höher, sie benötigt dafür aber kaum Wartung. Es muss lediglich alle zwei Jahre die CO2-Laserkartusche ausgetauscht werden“, erklärt Magali Joint.
Für diese Investition wurden bei zwei führenden Unternehmen auf dem Markt der Packmittelkontrolle Angebote eingeholt. Aus verschiedenen Gründen hat man sich dann für das deutsche Unternehmen Laetus entschieden. Vor allem, da dessen Kamerasysteme mit den marktweit niedrigsten Falschrückweisungsraten aufwarten können. „Wir haben die niedrigste Falschrückweisungsrate. Dabei geht es um gute Produkte, die aus den falschen Gründen zurückgewiesen werden“, erklärt Robert Van Rootselaar, kaufmännischer Leiter von Laetus Frankreich. „Unsere Rate liegt weit unter dem im Pflichtenheft von Lilly festgelegten Wert von einem Promille“. Das Geheimnis von Laetus liegt in der Verwendung leistungsstarker Algorithmen, die mehr Informationen schneller verarbeiten können. „Das ist unsere besondere Stärke“, ergänzt Rootselaar.
Magali Joint betont ebenfalls die praktische Bedienoberfläche, die es ermöglicht, gleichzeitig das Kamerasystem sowie das Lasermarkierungssystem (von der Firma Domino), die Waage (Firma Gravens) und den Etikettierer zu überwachen.
Es sei darauf hingewiesen, dass der DataMatrix-Code für Lilly Pharma keineswegs ein Novum ist, da der Konzern ihn bereits auf vorgedruckten Etiketten verwendet. Neu ist vielmehr, dass der Code nun innerhalb der Linie direkt auf die Verpackungen aufgedruckt werden kann.
Nach dieser ersten positiven Erfahrung plant Lilly Pharma, auch seine restlichen Verpackungslinien so schnell wie möglich umzurüsten. In den nächsten zwei Monaten betrifft dies die Linien der Insulinpatronen und in sechs Monaten werden auch die Linien der Insulinpens mit einem Drucksystem für DataMatrix-Codes auf Verpackungen ausgestattet sein. Magali Joint ist sicher, dass bis August 2010 alle Linien im Fegersheimer Werk umgerüstet sind. Für ein Pharmalabor stellt die Umstellung auf DataMatrix, die in der Regel mit 50 000 Euro pro Produktionslinie zu Buche schlägt, eine große Investition dar. So beobachtet Robert van Rootselaar, dass viele Unternehmen, vor allem die Lohnhersteller, zwar Angebote einholen, aber nicht handeln. Das Ergebnis wird laut Rootselaars Prognose ein schwieriger Herbst 2010. „In Frankreich gibt es vielleicht gerade zwanzig Techniker, die eine solche Installation durchführen können. Bis 2011 müssen wir jedoch noch 900 Linien umrüsten und für die Installation eines solchen Systems benötigt man eine ganze Woche“, fügt er hinzu. Auch wenn es also Nachzügler geben sollte, wird Lilly Pharma in jedem Fall nicht dazugehören und rechtzeitig richtlinienkonform produzieren.
Sylvie Latieule, Fegersheim, Frankreich
FRANKREICH UND TÜRKEI STELLEN AUF DATAMATRIX UM
Ab dem 1. Januar 2011 wird es den CIP 7-Code auf dem französischen Markt nicht mehr geben. Diese 7-stellige Kontrollnummer, die Kennziffer eines Medikaments, wird auf 13 Stellen verlängert und nicht mehr in Form eines Strichcodes dargestellt, sondern durch einen zweidimensionalen DataMatrix-Code, der darüber hinaus noch weitere Informationen wie die Chargennummer und das Haltbarkeitsdatum enthalten kann. In Europa ist Frankreich das erste Land, das die Verwendung des DataMatrix-Codes beschlossen hat. Andere Länder erwägen die Übernahme dieses Systems, allen voran Schweden, Deutschland, Italien und Spanien. Allein die Türkei ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat nicht nur das Prinzip des DataMatrix-Codes sondern zugleich das der Serialisierung (jede Schachtel erhält eine eigene, individuelle Nummer) beschlossen. Das Serialisierungsprinzip wird in Europa derzeit geprüft, jedoch wohl nicht vor 2014-2015 in Kraft treten. Daher werden diese neuen linieninternen Systeme zum Aufdruck und Lesen von DataMatrix-Codes, die große Investitionen bedeuten, nur für Medikamentenchargen verwendet, die für den Verkauf in Frankreich oder der Türkei bestimmt sind. Für alle anderen Länder können die Hersteller ihr altes System auf Basis von aufgedruckten Strichcodes und alphanumerischen Codes beibehalten.
